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Hyperaktive Kinder durch Übergewicht?

Sowohl Adipositas als auch vergrößerte Rachenmandeln sind bei Kleinkindern häufige Ursachen für Schlafstörungen. Eine prospektive Beobachtungsstudie in Pediatrics (2012; doi: 10.1542/peds.2011-1402) bringt die Schlafapnoe jetzt mit späteren Verhaltensauffälligkeiten in Verbindung.

Schlafstörungen sind bei Kindern keine Seltenheit. Die American Academy of Otolaryngology–Health and Neck Surgery schätzt, dass eines von zehn Kindern regelmäßig schnarcht und etwa 2 bis 4 Prozent eine Schlafapnoe mit kurzen Atemaussetzern haben. Eine häufige Ursache sind bei Kindern vergrößerte Rachenmandeln, die die nasale Atmung erschweren, weshalb die Kinder nachts durch den geöffneten Mund atmen.

Die Avon Longitudinal Study of Parents and Children begleitet eine Kohorte von mehr als 11.000 Kindern aus England seit der Schwangerschaft ihrer Mütter in den Jahren 1991 und 1992. Im Alter von 6 bis 69 Monaten wurden die Eltern gefragt, ob ihre Kinder mit offenem Mund schlafen, schnarchen oder sogar Atemaussetzer haben (Sleep-Disordered Breathing, SDB).

Karen Bonuck vom Albert Einstein College of Medicine in New York hat die Antworten mit den Angaben der Eltern in einem „Strengths and Difficulties Questionnaire" verglichen, der sich im Alter von 4 und 7 Jahren nach Verhaltensauffälligkeiten der Kinder erkundigte.

Ergebnis: Kinder mit den schlimmsten Schlafstörungen, die ihren Gipfel im Alter von 30 Monaten erreichten, wurden im Alter von 7 Jahren zu 85 Prozent häufiger als hyperaktiv beschrieben. Sie zeigten zu 60 Prozent ein (aus Sicht der Eltern) schwieriges Verhalten und neigten zu 37 Prozent häufiger zu Streitigkeiten mit Gleichaltrigen (peer difficulties). Kindern, die im späteren Vorschulalter nächtliche Atemstörungen hatten, waren im Alter von 7 Jahren zu 88 Prozent häufiger hyperaktiv und sie zeigten zu 65 Prozent häufiger emotionale Probleme.

Bei Beobachtungsstudien ist niemals sicher, dass die entdeckte Assoziation auf ursächlich ist, doch Bonuck betont, dass sie Verzerrungen durch 15 Eigenschaften ausschließen könnte, die ebenfalls die Entwicklung von Verhaltensstörungen begünstigen. Dazu gehörten der sozioökonomische Status, das Rauchen der Mutter im ersten Schwangerschaftsdrittel und ein niedriges Geburtsgewicht.

Sie vermutet, dass die wiederholten Atemaussetzer über den Abfall der Sauerstoffsättigung des Blutes und den Anstieg des CO2-Wertes dem Gehirn schaden könnte. Auch die fehlende Erholung im Schlaf könnte die Entwicklung in Zentren wie dem präfrontalen Cortex stören, die für das spätere Sozialverhalten der Kinder wichtig sind.

Ihre Empfehlung geht dahin, Kinder mit Sleep-Disordered Breathing vom HNO-Arzt und im Schlaflabor auf mögliche Ursache hin untersuchen zu lassen. Die American Academy of Otolaryngology–Health and Neck Surgery rät bei einer Vergrößerung zu einer prophylaktischen Tonsillektomie oder Adenektomie. Bei übergewichtigen oder fettleibigen Kindern könne auch eine Gewichtsreduktion helfen. Aus den Ergebnissen einer prospektiven Beobachtungsstudie kann allerdings nicht geschlossen werden, dass diese Therapie auch die erhoffte Wirkung erzielt.

(Dr. med. Wolf Funfack)